piercing_geschichtePiercings haben sich in den letzten Jahren zu angesagten Schmuckstücken entwickelt. Mehr als zwei Millionen Deutsche tragen mindestens ein Piercing. Besonders unter Mädchen hat sich diese Modeerscheinung durchgesetzt. Man trägt sie am Bauchnabel, an der Zunge, den Augenbrauen usw. Aber woher kommt dieser Trend eigentlich und seit wann gibt es ihn?

Piercing (engl. to pierce: durchstechen, durchbohren) hat seine Wurzeln in den religiösen Zeremonien animistischer Naturvölker. Es ist bekannt, dass die alten Mayas Zungenbohrung als Zeichen der Unterwerfung unter die Götter praktizierten. Bei den Indios wird das Piercing als Zeichen der Zugehörigkeit zu einem bestimmten Clan, einer Familie oder einer Altersschicht verwendet. Die Mandan-Indianer im amerikanischen Westen haben den “Sonnentanz” – eine Art Extrem-Piercing, im afrikanischen Tschad stecken sich Frauen einen Aluminiumstab durch die obere Ohrmuschel, was den bösen Geistern den Zugang verwehren soll. Auch in Papua-Neuguinea und sogar bei den Appenzellern in der Schweiz kennt man Piercing-Arten, die magische Abwehrkräfte haben sollen.

Die Rückkehr des Piercings und seine Salonfähigkeit in unserer Zeit haben wir vor allem drei Gruppen zu verdanken: Den Punks, den Modernen Primitiven und den Fetischisten. Selbstverständlich hat der heutige Durchschnitts-Piercing-Träger in der Regel nichts mit den mystischen Ritualen zu tun. Die Gründe für ihre Beliebtheit liegen eher in dem zu verändernden Äußeren, in der Imitation von Idolen aus der Film- und Musikbranche oder schlicht und ergreifend in dem Wunsch aus dem jeweiligen Alltag auszubrechen. Piercings sind Gesellschaftsfähig – man sieht gepiercte Menschen in allen Bevölkerungsschichten.